Marktkommentar Q2-2026

Rückblick:

Die Nachrichtenlage wurde bestimmt von dem Krieg gegen den Iran und dessen Auswirkungen. Die gestiegenen Energiepreise führten zu einer höheren Inflationsrate; eine Entwicklung, auf welche die beiden großen Zentralbanken unterschiedliche Antworten gaben: die US-FED ließ die Leitzinsen zunächst unangetastet, die EZB erhöhte diese um 0,25% – wobei das Zinsniveau in der Eurozone zuvor auch stärker abgesenkt wurde. Der neue, von Präsident Trump bestimmte, FED-Chef Warsh hat zwar einige andere Sichtweisen als sein Vorgänger Powell. Den Wunsch des US-Präsidenten nach Leitzinssenkungen hat er zunächst aber ebenfalls nicht erfüllt bzw. angesichts der gestiegenen Inflationsrate (Sachzwang) nicht erfüllen können. Letztlich werden diese wichtigen Entscheidungen auch nicht von einer einzigen Person, sondern einem Gremium getroffen. In jedem Fall aber plant Warsh die zukünftige FED-Politik stark zu verändern. Er hat fünf Arbeitsgruppen gebildet, welche die Funktionsweise der Fed komplett auf den Prüfstand stellen sollen. In den nächsten 6-12 Monaten sollten wir über die zukünftige FED-Politik mehr Klarheit gewinnen.
Im Laufe des Quartals und mit dem Eindruck, dass zumindest die USA ein Ende der Auseinandersetzung im Nahen Osten um jeden Preis haben wollen, haben sich die Energie- und Kapitalmärkte entspannt. Prägend für die Entwicklung der Aktienmärkte wurde einmal mehr das Thema „Künstliche Intelligenz“, insbesondere Chip- und Server-Hersteller konnten hiervon profitieren.
Die Entwicklung der Wirtschaft war tendenziell seitwärtsgerichtet, insbesondere Deutschland und auch die deutschen Aktien spiegeln dies wider. Wichtige politische Reformen scheint die große Koalition nun endlich voranbringen zu wollen, doch ähnlich wie bei der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM zählt auch hier am Ende ausschließlich das tatsächliche Endergebnis.
Insgesamt waren die vergangenen drei Monate herausfordernd. Der Aktienmarkt bleibt stark fragmentiert. Während weniges sehr gut läuft, entwickelt sich der breite Markt zwar auch positiv, aber deutlich weniger dynamisch.

Ausblick:

Wir gehen davon aus, dass der Irankrieg, zumindest bis zu den US-Zwischenwahlen am 03.11.2026, nicht noch einmal eskaliert. Der innenpolitische Druck auf die US-Regierung und die Unpopularität der Auseinandersetzung scheinen zu groß zu sein. Damit dürfte sich die Gefahr von langfristig hohen Energiepreisen und damit höheren Inflationsraten erledigt haben. Während die Schäden in der Energie-Infrastruktur für ein höheres Preisniveau als vor der Eskalation sprechen, könnten das Bröckeln der OPEC (Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate am 1. Mai 2026) und die Aufhebung der Iran-Sanktionen dieser Entwicklung entgegenstehen. Aus Sicht des Kapitalmarktes ist der Konflikt aktuell abgehakt bzw. in seiner realwirtschaftlichen Wirkung bereits eingepreist.
Der Druck auf die Zentralbanken, höheren Preisen mit steigenden Zinsen zu begegnen, dürfte sich damit reduzieren. In Europa schwächelt zudem weiterhin die Wirtschaft, insbesondere Deutschland kommt nicht in Schwung. Es drohen Massenentlassungen in der Automobilindustrie, die kaum zu verhindern sind. Auch in den USA zeigt der Arbeitsmarkt immer wieder Schwächesignale. Da das Mandat der FED vorsieht, Wirtschaft und Arbeitsmarkt bei ihren Entscheidungen mit zu berücksichtigen, dürften Zinssteigerungen damit kaum ein Thema werden. Wir erwarten weiterhin eher kleine Zinssenkungsschritte zum Ende des Jahres oder am Anfang des kommenden Jahres.
Unverändert gilt: trotz unseres relativ positiven Grundszenarios lassen wir die Risiken nicht unbeachtet. Ein breit diversifiziertes Portfolio bleibt aus unserer Sicht daher unverzichtbar. Neben der stetigen Beobachtung der Entwicklungen halten wir, wo möglich, etwas mehr Liquidität und damit Flexibilität in den Depots vor.

Ihr Veermaster Asset Management Team

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