Marktkommentar Q1-2026

Rückblick:

Die ersten zwei Monate verliefen nahezu wie erwartet: die Aktienmärkte konnten in der Breite zulegen, während die Anleihezinsen tendenziell fielen. Lediglich bei den Edelmetallen zeigten sich heftige Ausschläge. Die Politik Trumps – genannt seien nur Venezuela sowie der Streit um Grönland – beherrschte die Nachrichten, aber weniger den Kapitalmarkt.

Dies änderte sich schlagartig mit dem Beginn des Konfliktes im Nahen Osten: nach verbreiteter Ansicht als kurzer militärischer Einsatz geplant, ist es nun mehr als ein Monat und die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sind umfangreich. Hohe Energiepreise, gestörte Lieferketten und ein hohes Maß an Unsicherheit, welche durch die Rhetorik des amerikanischen Präsidenten noch befeuert wird, schickten die Aktienmärkte auf Tauchstation. Die Kapitalmarktzinsen zogen vor dem Hintergrund höher erwarteter Inflationszahlen an, so dass Anleiheinvestments an Wert einbüßten. Auch Edelmetalle wie Gold und Silber kamen kräftig unter Druck, ebenfalls eine Folge der gestiegenen Zinsen, aber auch der allgemeinen Flucht in Liquidität. Der US-Dollar konnte als Fluchtwährung zulegen, doch insgesamt ging es für alle klassischen Anlageklassen abwärts – ausgenommen einzelne Werte, insbesondere aus dem Öl- und Gas-Sektor.

Nun sind Rückschläge am Kapitalmarkt nichts Außergewöhnliches, sondern vielmehr fester Bestandteil davon. Außergewöhnlich ist, dass dieser – wie in vergangenem Jahr nach der Publikation der „reziproken“ Zölle – erneut auf die veränderte US-Politik zurückzuführen ist. Beide Ereignisse wurden also absichtlich herbeigeführt und die Reaktionen der Märkte fielen mustergültig aus. Erstaunlich ist allerdings, dass diese erwartbaren Entwicklungen die aktuelle US-Regierung immer wieder zu überraschen scheinen. Dass politische Entscheidungen oftmals nicht auf Fakten basieren, ist zwar keine neue Erkenntnis, aber in dieser Tragweite schon ungewöhnlich. Aus unserer Sicht eines Portfoliomanagers bieten Verwerfungen an den Kapitalmärkten aber immer auch Chancen. Wir haben daher, so es die individuelle Strategie zugelassen hat, übertriebene Abschläge auf solide Werte und andere sich bietende Chancen für Käufe bzw. Positionstäusche genutzt.

Ausblick:

Es macht uns keine Freude, doch auch unser Ausblick wird von der US-Politik beherrscht. Wir nutzen bereits seit Amtsantritt Donald Trumps die Formulierung „wir fahren auf Sicht“ und dies bleibt vermutlich mindestens bis zu den US-Zwischenwahlen im Herbst 2026 – sofern sie denn stattfinden – unverändert. Der Iran-Krieg wird längerfristige realwirtschaftliche Folgen, z.B. aufgrund der bereits zerstörten Energieinfrastruktur, haben. Über das ganze Ausmaß entscheidet, wann dieser endet und mit welchem Ergebnis.

Wir richten unsere Strategie im Wesentlichen an folgendem Szenario aus: Trump kann und will aufgrund des innenpolitischen Druckes und der Angst vor einem Bodeneinsatz den Krieg nicht mehr lange fortsetzen. So der Krieg mit dem Status quo endet, werden sich die Aktienmärkte erholen, die Zinsen sinken, Edelmetalle moderat zulegen und zumindest der Kapitalmarkt relativ schnell wieder zum Alltag zurückkehren. Die realwirtschaftlichen Auswirkungen werden sich im weiteren Jahresverlauf zeigen und auf einzelne Werte wie Branchen positive oder negative Auswirkungen haben. Die Energiepreise werden zwar fallen, aber auf einem höheren Niveau als vor dem Krieg bleiben. Die Unterbrechung von Lieferketten und der zumindest temporäre Ausfall von Lieferanten stellt eine wirtschaftliche Herausforderung dar, auf die sich die betroffenen Unternehmen einzustellen haben. Die Inflationsrate wird mindestens für eine Zeit lang erhöht ausfallen.

Spannend wird es, wie die Zentralbanken auf die höheren Inflationszahlen reagieren werden. Wir hoffen, dass Zinserhöhungen, die für die europäische Zentralbank bereits diskutiert werden, dennoch ausbleiben. Für diese Hoffnung gibt es eine aus unserer Sicht gute Begründung: die Inflation wird nicht von einer überhitzten Nachfrage ausgelöst, sondern von der gestörten Angebotsseite. Das heißt, die Wirtschaft und die Unternehmen haben ohnehin mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen und Zinserhöhungen würde diese Not noch erhöhen. Da das äußerst zarte Pflänzchen der Wirtschaftserholung in Europa durch den Kriegsausbruch bereits gelitten hat, kann eine Verschlimmerung der Lage durch ein verfrühtes Handeln der EZB eigentlich nicht das Ziel sein. Der scheidende US-FED-Chef Powell hat bereits signalisiert, dass er aktuell keinen Grund für Zinserhöhungen sieht. Vielmehr wären anhaltend negative Signale vom Arbeitsmarkt ein möglicher Grund für Zinssenkungen.


Ihr Veermaster Asset Management Team

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