Rückblick:
Unverändert werden die Nachrichten von den Aussagen Donald Trumps geprägt, wie auch die ersten Tage des neuen Jahres gezeigt haben. Für den Kapitalmarkt ist die Relevanz deutlich geringer als in den ersten Monaten seiner zweiten Amtszeit. Das Thema „Zölle“ wird eher kleinteilig betrachtet und in der wichtigen Auseinandersetzung zwischen den USA und China ist es stiller geworden. Der von China gespielte Joker „seltene Erden“ hat gewirkt, das Land hat bei diesen für die Industrie so wichtigen Rohstoffen eine dominante Position, zu der die USA derzeit keine Alternative haben, und die China auch gegenüber den europäischen Ländern zu nutzen weiß.
Politisch konnten wir positiv verbuchen, dass der Gaza-Krieg beendet wurde und der Frieden zu halten scheint. Ein anderes Bild zeigt weiterhin der Krieg gegen die Ukraine. Die Verhandlungen gehen weiter und die Parteien bewegen sich nur in kleinen Schritten aufeinander zu – unter dem Druck der USA könnte eine Entscheidung rascher kommen, als es derzeit den Eindruck hat. Aus rein wirtschaftlicher Sicht wäre dies für Europa eine günstige Entwicklung.
Denn Europa ringt wirtschaftspolitisch mit den USA und China und gleichzeitig auch mit sich selbst. Es geht mit einigen wichtigen Lockerungen für Unternehmen auf EU-Ebene und speziell in Deutschland mit ersten konkreten Umsetzungen in die richtige Richtung, doch zu langsam, wenn man die sich schnell wandelnde Welt um uns herum betrachtet. Die EU hat circa 100 Mio. Einwohner mehr als die USA, ganz Europa mehr als doppelt so viele und eigentlich sollte es daher möglich sein, sich durch die Konzentration auf die eigenen Stärken und Ressourcen wirtschaftlich wie politisch in eine bessere Position zu bringen.
Der Einfluss der europäischen Zentralbank auf das Börsengeschehen der letzten drei Monate im alten Jahr war in Europa neutral, es gab keine Zinsänderungen. Die US-FED hat die Zinsen nochmals gesenkt und zusätzlich ein – bezüglich des Einflusses auf die Börsen kleines – Anleihekaufprogramm gestartet. Auf beiden Seiten des Atlantiks konnten die Aktienmärkte zum Ende des Jahres nochmals zulegen und wir schauen auf ein erfolgreiches Börsenjahr 2025 zurück.
Ausblick:
Die wirtschaftlichen Impulse und Entscheidungen der USA und von Trump mögen derzeit keinen großen Einfluss auf den Kapitalmarkt haben, doch die politischen muss man bezüglich ihrer Wirkungen auf den Kapitalmarkt laufend im Blick behalten. Das militärische Eingreifen in Venezuela und der Streit um Grönland sind zwei aktuelle Beispiele. Die im Ansatz imperiale und gleichzeitig isolationistische Politik der USA kann beispielsweise mit Blick auf die gleichzeitig bestehende Abhängigkeit von China – auch, aber nicht nur bezüglich besagter „seltener Erden“ – für die Vereinigten Staaten wirtschaftlich schädlich sein.
Für die nächsten Monate erwarten wir, dass fiskalische Wirtschaftsimpulse aus Europa, Japan und China günstige Rahmenbedingungen schaffen, um auch außerhalb der USA ein breit abgestütztes Wirtschaftswachstum zu bekommen. Europa muss aber, wie im ersten Abschnitt beschrieben, noch mehr tun. Die in der Vergangenheit bereits erwähnten hohen Bewertungen von US-Technologiewerten könnten Umschichtungen in günstigere Regionen und Sektoren zur Folge haben. Auch im US-Aktienmarkt wäre hierfür ausreichend Raum, denn viele Unternehmen außerhalb der großen Tech-Aktien sind attraktiver bewertet.
Geldpolitische Lockerungen der US-Zentralbank und die Neubesetzung des FED-Präsidenten sollten den US-Aktienmarkt stützen. In Europa erwarten wir keine wesentlichen geldpolitischen Entscheidungen, die aber angesichts des erreichten, relativ niedrigen Zinsniveaus auch nicht notwendig sind. Für Anleiheinvestments könnte es ein recht ruhiges Jahr werden. Die Anlageklasse „Edelmetalle“ sehen wir nach der Rally im vergangenen Jahr aufgrund des Umfeldes stabil, doch eine Wertentwicklung wie 2025 scheint nicht annähernd wiederholbar.
Das aktive Reagieren auf Nachrichten und Veränderungen bleibt wichtig. Europäische Werte werden weiter von uns favorisiert, aber auch im US-Aktienmarkt sehen wir attraktive Investments, auch weil wir 2026 keine starke negative Wechselkursentwicklung analog zu 2025 erwarten.
Ihr Veermaster Asset Management Team